Brandschutz im Serverraum: Was Sie beachten müssen


Wenn wir zum ersten Mal einen Serverraum bei einem neuen Kunden betreten, sehen wir leider oft dasselbe Bild: Kartons mit Altpapier, ein alter Bürostuhl, eine Mehrfachsteckdose hinter der anderen und ein Feuerlöscher, dessen letzte Prüfung schon etwas zurückliegt. Brandschutz im Serverraum wird in kleinen und mittleren Unternehmen oft unterschätzt. Dabei hängt an diesem kleinen Raum meist der gesamte Betrieb. In diesem Beitrag zeigen wir, was wirklich wichtig ist und was Sie mit vertretbarem Aufwand umsetzen können.

Warum Serverräume besonders gefährdet sind

In einem Serverraum kommen mehrere Risiken zusammen: viel Elektrik auf engem Raum, Wärme, Kabel, Batterien in der unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) und häufig wenig Personal, das etwas bemerken würde. Ein Brand beginnt oft unscheinbar, etwa mit einem überhitzten Netzteil oder einem defekten Akku, und bleibt nachts oder am Wochenende stundenlang unentdeckt.

Dass auch große, professionelle Rechenzentren nicht gefeit sind, hat der Großbrand in einem Rechenzentrum in Straßburg im März 2021 gezeigt. Zahlreiche Websites und Dienste waren danach tagelang nicht erreichbar, und manche Kunden haben Daten verloren, weil ihre Sicherungen im selben Gebäude lagen.

Wichtig zu wissen: Der größte Schaden entsteht oft nicht durch das Feuer selbst, sondern durch Rauch, Ruß und korrosive Brandgase. Schon ein kleiner Schwelbrand kann die gesamte Hardware im Raum unbrauchbar machen.

Brandschutz im Serverraum: die vier Säulen

1. Baulicher Brandschutz

  • Abtrennung: Idealerweise ist der Serverraum ein eigener Brandabschnitt mit feuerbeständigen Wänden und einer Brandschutztür, die selbstschließend ist und nicht mit Keil offen gehalten wird.
  • Kabeldurchführungen: Öffnungen für Kabel in Wänden und Decken müssen mit zugelassenen Brandschutzabschottungen verschlossen sein. Hier wird bei Nachinstallationen besonders oft geschlampt.
  • Keine Fremdnutzung: Der Serverraum ist kein Lager. Papier, Verpackungen und Möbel gehören woanders hin.
  • Keine wasserführenden Leitungen über den Racks, wenn sich das vermeiden lässt.

Wenn ein eigener Raum nicht möglich ist, gibt es geschlossene Serverschränke mit integrierter Brandfrüherkennung und Löschtechnik. Für kleine Betriebe kann das eine sinnvolle Alternative sein.

2. Brandfrüherkennung

Je früher ein Brand erkannt wird, desto geringer der Schaden. Ein normaler Rauchmelder an der Decke ist besser als nichts, reagiert aber in klimatisierten Räumen mit starkem Luftstrom oft spät. Für wichtige Serverräume empfehlen sich Ansaugrauchmelder, die kontinuierlich Luft aus dem Raum oder direkt aus den Schränken ansaugen und schon kleinste Rauchmengen erkennen.

Entscheidend ist außerdem: Wer erfährt von dem Alarm? Ein Melder, der nachts in einem leeren Gebäude piept, hilft niemandem. Die Meldung sollte an eine ständig besetzte Stelle, einen Wachdienst oder zumindest per Mobilfunk an mehrere Verantwortliche gehen.

3. Löschtechnik

Lösung Geeignet für Hinweise
CO2-Handfeuerlöscher Jeden Serverraum als Grundausstattung Hinterlässt keine Rückstände. Nur kurz einsetzen und Raum danach verlassen, CO2 verdrängt Sauerstoff.
Gaslöschanlage (Inertgas oder chemisches Löschgas) Größere und kritische Serverräume Löscht ohne Wasser und Rückstände. Raum muss ausreichend dicht sein, Personenschutz und Warnanlage sind Pflicht.
Sauerstoffreduzierung Rechenzentren mit hohem Schutzbedarf Verhindert die Entstehung von Bränden, aufwendig und teuer im Betrieb.
Löschsysteme im Schrank Einzelne Serverschränke Kompakte Lösung für kleine Unternehmen ohne eigenen Raum.
Sprinkler Gebäudeschutz Schützt das Gebäude, aber Wasser schadet der IT. Wenn vorgeschrieben, mit Experten abstimmen.

Pulverlöscher haben im Serverraum nichts verloren. Das Pulver dringt in jedes Gerät ein und richtet oft mehr Schaden an als ein kleiner Brand.

4. Organisatorischer Brandschutz

  • Regelmäßige Sichtkontrolle: Ordnung, Kabel, Lüftung, Staub
  • Prüfung der elektrischen Anlagen und Geräte in den vorgeschriebenen Abständen
  • Feuerlöscher regelmäßig warten lassen
  • USV-Batterien nach Herstellerangaben tauschen. Aufgeblähte oder alte Akkus sind ein Brandrisiko
  • Zutritt beschränken, Besucher begleiten
  • Notfallplan: Wer wird alarmiert, wie wird abgeschaltet, wer darf den Raum betreten?

Was tun, wenn es tatsächlich brennt?

  1. Feuerwehr alarmieren (112), auch wenn der Brand klein erscheint.
  2. Personen warnen und den Bereich verlassen. Menschenleben gehen immer vor Hardware.
  3. Nur löschen, wenn es ohne Eigengefährdung möglich ist, und dann mit dem CO2-Löscher.
  4. Wenn gefahrlos möglich: Stromzufuhr für den Raum abschalten.
  5. Tür schließen, um Rauch und Feuer einzudämmen.
  6. Den Raum nach dem Löschen nicht wieder in Betrieb nehmen, bevor Fachleute Hardware und Elektrik geprüft haben.

Hängen Sie diese Schritte gut sichtbar neben der Tür aus. Im Ernstfall denkt niemand klar.

Nicht vergessen: die Datensicherung

Der beste Brandschutz kann ein Feuer nicht völlig ausschließen. Deshalb gehört mindestens eine aktuelle Datensicherung an einen anderen Ort, in einen anderen Brandabschnitt, ein anderes Gebäude oder in ein externes Rechenzentrum. Die Sicherung auf dem NAS, das direkt neben dem Server steht, verbrennt im Ernstfall mit.

Checkliste für Ihren Serverraum

  • Raum frei von brennbarem Material und Fremdnutzung
  • Brandschutztür schließt selbstständig und wird nicht offen gehalten
  • Kabeldurchführungen ordnungsgemäß abgeschottet
  • Rauchmelder oder Ansaugrauchmelder vorhanden, Alarm wird weitergeleitet
  • CO2-Löscher griffbereit und geprüft
  • Elektrische Prüfung aktuell, keine Mehrfachsteckdosen-Ketten
  • USV-Batterien im Austauschintervall
  • Temperaturüberwachung mit Alarm eingerichtet
  • Datensicherung an einem zweiten Standort
  • Notfallplan liegt aus und ist den Verantwortlichen bekannt

Ein ehrliches Wort zu Vorschriften

Welche Anforderungen genau für Ihren Serverraum gelten, hängt vom Gebäude, von Bauordnung, Brandschutzkonzept, Versicherung und Ihrem Schutzbedarf ab. Für die Planung gibt es anerkannte Regelwerke, etwa die Normenreihe DIN EN 50600 für Rechenzentren und Richtlinien der Versicherer. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Brandschutzbeauftragten oder Sachverständigen und mit Ihrer Versicherung. Manche Versicherer haben klare Vorgaben, und eine Abweichung kann im Schadensfall teuer werden.

Wir helfen Ihnen gerne

Das IT-Team der Mittelstandsoptimierer prüft Ihren Serverraum, räumt auf, richtet Temperatur- und Alarmüberwachung ein und sorgt dafür, dass Ihre Daten auch an einem zweiten Ort sicher sind. Mehr unter www.mittelstandsoptimierer.de oder telefonisch unter 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

Teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • TwitThis
  • Print
  • XING