Die Strompreise sind 2022 in Regionen gestiegen, die vor einem Jahr kaum jemand für möglich gehalten hätte. Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, ärgert sich deshalb doppelt, wenn mittags überschüssiger Strom für wenige Cent ins Netz fließt und abends teuer zurückgekauft wird. Die naheliegende Frage: Lohnt sich ein Stromspeicher im Gewerbe? Die Antwort ist, wie so oft, „es kommt darauf an“. Wir zeigen, worauf genau, und wie Sie das für Ihren Betrieb durchrechnen.
Wofür ein Stromspeicher im Gewerbe gut sein kann
Ein Batteriespeicher kann im Betrieb verschiedene Aufgaben übernehmen. Wichtig ist, sich vorher klarzumachen, welche davon für Sie zählt:
- Eigenverbrauch erhöhen: Solarstrom vom Mittag wird gespeichert und am späten Nachmittag, abends oder am nächsten Morgen genutzt.
- Lastspitzen kappen: Größere Gewerbekunden mit Leistungsmessung zahlen neben der Energie einen Leistungspreis für die höchste Spitze. Ein Speicher kann solche Spitzen abfangen.
- Notstrom oder Ersatzstrom: Manche Speicher können bei einem Netzausfall wichtige Verbraucher weiterversorgen. Viele können das aber nicht, oder nur mit Zusatzausstattung.
- Vorbereitung auf Elektromobilität: Wer Firmenfahrzeuge laden will, kann mit einem Speicher den Netzanschluss entlasten.
Die entscheidende Rechnung: Was kostet eine gespeicherte Kilowattstunde?
Ein Speicher erzeugt keinen Strom, er verschiebt ihn nur zeitlich. Ob er sich lohnt, hängt deshalb an einer einfachen Frage: Ist die gespeicherte Kilowattstunde günstiger als die eingekaufte, abzüglich dessen, was Sie für die Einspeisung bekommen hätten?
Die Kosten pro gespeicherter Kilowattstunde lassen sich grob so abschätzen:
Anschaffungskosten ÷ (nutzbare Kapazität × Zahl der Vollzyklen über die Lebensdauer)
Ein Beispiel mit Annahmen, die Sie durch Ihre eigenen Angebotswerte ersetzen sollten:
| Position | Annahme |
|---|---|
| Nutzbare Kapazität | 20 kWh |
| Anschaffung inkl. Installation (netto) | 20.000 Euro |
| Vollzyklen pro Jahr | 250 |
| Nutzungsdauer | 15 Jahre |
| Gespeicherte Energie gesamt | 20 × 250 × 15 = 75.000 kWh |
| Kosten pro gespeicherter kWh | ca. 27 Cent (ohne Wirkungsgradverluste, Finanzierung und Wartung) |
Dazu kommt die entgangene Einspeisevergütung für den gespeicherten Strom. Liegt Ihr Strompreis deutlich über der Summe aus beidem, rechnet sich der Speicher. Liegt er darunter, nicht. Das Beispiel zeigt auch, wie stark die Zahl der Zyklen wirkt: Ein Speicher, der im Winter wochenlang leer bleibt oder am Wochenende nicht genutzt wird, kommt auf deutlich weniger Zyklen, und jede gespeicherte Kilowattstunde wird teurer.
Unser Tipp: Wenn Ihre Solaranlage schon läuft, werten Sie vor der Entscheidung ein paar Monate Erzeugungs- und Verbrauchsdaten aus. Viele Wechselrichter und Zähler liefern diese Werte. Dann sehen Sie genau, wie viel Überschuss tatsächlich entsteht und zu welchen Zeiten Sie Strom aus dem Netz beziehen.
Wann sich ein Speicher eher lohnt
- Hoher Strompreis im eigenen Liefervertrag
- Große Solaranlage mit viel Überschuss am Mittag
- Verbrauch am Abend, in der Nacht oder am frühen Morgen, etwa durch Kühlung, Server, Schichtbetrieb oder das Laden von Fahrzeugen
- Kostspielige Lastspitzen bei Kunden mit Leistungsmessung
- Betrieb an sieben Tagen in der Woche
Wann eher nicht
- Der Solarstrom wird ohnehin fast vollständig tagsüber verbraucht
- Der Betrieb ruht abends und am Wochenende
- Der Strompreis im eigenen Vertrag ist noch günstig, etwa durch einen langfristigen Vertrag
- Der Speicher soll vor allem als Notstromversorgung dienen. Dafür gibt es oft günstigere und zuverlässigere Lösungen
Notstrom: Was ein Speicher kann und was nicht
Ein verbreitetes Missverständnis: „Mit Speicher habe ich bei Stromausfall weiter Strom.“ Das stimmt nur, wenn das System ausdrücklich dafür ausgelegt ist. Viele Speicher schalten sich bei Netzausfall aus Sicherheitsgründen ab. Notstromfähige Systeme brauchen eine besondere Installation mit Netztrennung, und sie versorgen meist nur ausgewählte Stromkreise.
Für die IT ist außerdem wichtig: Ein Batteriespeicher ersetzt keine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV). Eine USV übernimmt bei einem Ausfall ohne Unterbrechung, ein Notstromspeicher braucht dagegen oft einen Moment zum Umschalten. Für Server reicht das nicht. Die USV bleibt also Pflicht, der Speicher kann sie bei längeren Ausfällen sinnvoll ergänzen.
Worauf Sie bei Angeboten achten sollten
| Kriterium | Frage an den Anbieter |
|---|---|
| Nutzbare Kapazität | Wie viel davon ist tatsächlich nutzbar, nicht nur die Nennkapazität? |
| Zyklenfestigkeit | Wie viele Vollzyklen garantiert der Hersteller, und welche Restkapazität danach? |
| Garantie | Wie lange, und was genau ist abgedeckt? |
| Wirkungsgrad | Wie hoch sind die Verluste beim Laden und Entladen? |
| Notstrom | Ist Not- oder Ersatzstrom möglich, und für welche Stromkreise? |
| Zelltechnik | Welche Batteriechemie? Für stationäre Speicher sind Lithium-Eisenphosphat-Zellen verbreitet. |
| Aufstellort und Brandschutz | Wo darf der Speicher stehen, welche Anforderungen gelten? |
| Lieferzeit | Wann kann realistisch installiert werden? |
Und die Strompreisbremse?
Die Bundesregierung hat angekündigt, die Strompreise für Verbraucher und Unternehmen zu begrenzen. Die Details stehen noch nicht fest. Für die Speicherrechnung ist das relevant: Sinkt Ihr effektiver Strompreis durch eine solche Entlastung, verlängert sich die Amortisation. Rechnen Sie deshalb mit vorsichtigen Annahmen und nicht mit den Spitzenpreisen dieses Herbstes.
Unser Fazit
Ein Batteriespeicher kann für Betriebe mit eigener Solaranlage und Verbrauch außerhalb der Sonnenstunden sinnvoll sein. Er ist aber kein Selbstläufer. Lassen Sie sich nicht von Prospekten mit „bis zu 80 % Unabhängigkeit“ leiten, sondern rechnen Sie mit Ihren echten Verbrauchsdaten. Und klären Sie vorher, welche Aufgabe der Speicher übernehmen soll.
Wir helfen Ihnen gerne
Das Team der Mittelstandsoptimierer wertet Ihre Verbrauchsdaten aus, rechnet die Wirtschaftlichkeit eines Speichers nüchtern durch und sorgt dafür, dass Ihre IT mit USV und Datensicherung auch bei Stromausfall geschützt ist. Mehr unter www.mittelstandsoptimierer.de oder telefonisch unter 06131 144928-0.
Herzliche Grüße aus Mainz




