Vor ein paar Jahren bestand die Praxis-IT oft aus einem Server unter dem Empfangstresen, ein paar Arbeitsplätzen und einem Drucker. Heute läuft fast alles über das Netz: das E-Rezept ist seit Anfang 2024 Pflicht, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen gehen elektronisch an die Krankenkassen, Arztbriefe per KIM, und seit Mitte Januar läuft in den Modellregionen die Testphase der elektronischen Patientenakte für alle. Das Netzwerk der Arztpraxis ist damit so wichtig wie das Ultraschallgerät. Fällt es aus, steht der Betrieb. Wird es angegriffen, sind hochsensible Gesundheitsdaten in Gefahr.
Die Bausteine eines Praxisnetzwerks
Ein typisches Netzwerk in einer Arztpraxis besteht aus mehreren Komponenten, die sauber zusammenspielen müssen:
| Komponente | Aufgabe |
|---|---|
| Router und Firewall | Verbindung ins Internet, Schutz nach außen |
| Konnektor oder TI-Gateway | Sicherer Zugang zur Telematikinfrastruktur (TI) |
| E-Health-Kartenterminals | Einlesen der Gesundheitskarte, Praxisausweis (SMC-B), elektronischer Heilberufsausweis |
| Server oder Cloud-Lösung | Praxisverwaltungssystem, Patientendaten, Bilder |
| Arbeitsplätze und Behandlungsräume | Empfang, Sprechzimmer, Labor |
| Medizingeräte mit Netzwerkanschluss | EKG, Ultraschall, Röntgen, Laborgeräte |
| WLAN | Mobile Geräte, ggf. Patientenzugang |
| Datensicherung | Regelmäßige, getestete Backups, auch außer Haus |
Netzwerk in der Arztpraxis: Sicherheit nach Richtlinie
Für Arzt- und Zahnarztpraxen gibt es eine verbindliche Grundlage: die IT-Sicherheitsrichtlinie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nach § 390 SGB V. Sie beschreibt, welche Maßnahmen Praxen umsetzen müssen, gestaffelt nach Größe der Praxis und Art der Datenverarbeitung. Viele Anforderungen sind eigentlich selbstverständlich, werden im Alltag aber gerne übersehen. Zu den wichtigsten Punkten gehören:
- Aktuelle Betriebssysteme und Programme, Sicherheitsupdates zeitnah einspielen
- Virenschutz und eine richtig konfigurierte Firewall
- Sichere Passwörter, keine gemeinsamen Benutzerkonten für alle
- Bildschirmsperre, wenn der Arbeitsplatz verlassen wird
- Regelmäßige Datensicherung mit Wiederherstellungstest
- Schutz von mobilen Geräten und Datenträgern
- Getrennte Netze für unterschiedliche Zwecke
Die Richtlinie ist kein Papier für die Schublade. Prüfen Sie, welche Anforderungen für Ihre Praxisgröße gelten, und dokumentieren Sie die Umsetzung.
Netzwerktrennung: Der wichtigste Hebel
Der häufigste Schwachpunkt, den wir in Praxen sehen, ist ein flaches Netzwerk: Alle Geräte hängen im selben Netz, vom Server über das Ultraschallgerät bis zum Smartphone der Auszubildenden im WLAN. Wird ein einzelnes Gerät kompromittiert, ist der Weg zu den Patientendaten frei.
Besser ist eine Aufteilung in getrennte Bereiche, sogenannte VLANs:
- Praxisnetz: Server, Arbeitsplätze, Drucker
- TI-Bereich: Konnektor und Kartenterminals, nach Vorgabe des Herstellers eingebunden
- Medizingeräte: Geräte, die oft mit älterer Software laufen und nicht beliebig aktualisiert werden können, abgeschottet vom Rest
- Gäste-WLAN: für Patientinnen und Patienten, vollständig getrennt, nur Internetzugang
- Verwaltung und Technik: Telefonanlage, Gebäudetechnik, Kameras
Die Firewall regelt dann genau, welcher Bereich mit welchem sprechen darf. Das klingt aufwendig, ist aber mit aktueller Netzwerktechnik auch in kleinen Praxen gut umsetzbar.
Telematikinfrastruktur: Typische Stolpersteine
Die TI ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, und mit jeder Anwendung steigen die Anforderungen an Stabilität. Probleme, die uns häufig begegnen:
- Kartenterminals verlieren die Verbindung, weil sie per WLAN oder über einen überlasteten Switch angebunden sind.
- Zertifikate von Konnektor, Praxisausweis oder Heilberufsausweis laufen ab und niemand hat das Datum im Blick.
- Updates des Praxisverwaltungssystems und des Konnektors werden nicht aufeinander abgestimmt.
- Der Internetanschluss hat keine Reserve. Fällt er aus, gibt es keine E-Rezepte.
Ein Wartungskalender mit allen Ablaufdaten und ein Mobilfunk-Backup für den Internetzugang lösen viele dieser Probleme, bevor sie entstehen.
Die elektronische Patientenakte und Ihr Netz
Mit der elektronischen Patientenakte für alle kommt eine weitere Anwendung hinzu, die im Praxisalltag dauerhaft auf die TI zugreift. Derzeit wird sie in den Modellregionen erprobt, der bundesweite Start soll nach Abschluss dieser Testphase folgen. Für Ihr Netzwerk heißt das vor allem: Die Verbindung zur TI muss nicht nur irgendwie funktionieren, sondern zuverlässig und ohne Verzögerung, auch wenn mehrere Arbeitsplätze gleichzeitig darauf zugreifen. Nutzen Sie die Zeit bis zum flächendeckenden Start, um die Basis zu überprüfen: Leistung des Internetanschlusses, Zustand von Switches und Verkabelung, Updates des Praxisverwaltungssystems und die Abstimmung mit Ihrem TI-Dienstleister. Wer hier vorbereitet ist, erlebt den Start entspannter.
Gäste-WLAN für das Wartezimmer
Ein WLAN im Wartezimmer ist ein netter Service. Es darf aber unter keinen Umständen eine Verbindung zum Praxisnetz haben. Ein eigenes Netz mit Isolation der Endgeräte untereinander, Bandbreitenbegrenzung und einem regelmäßig wechselnden Passwort ist Pflicht. Und bitte nicht das Passwort des Praxis-WLANs auf einen Zettel am Empfang schreiben. Das sehen wir leider immer noch.
Datensicherung: Die Lebensversicherung der Praxis
Ein Angriff mit Erpressungssoftware, ein defekter Server oder ein Wasserschaden im Keller: Ohne funktionierende Datensicherung ist die Patientendokumentation im schlimmsten Fall verloren, und die gesetzlichen Aufbewahrungspflichten lassen sich nicht mehr erfüllen. Bewährt hat sich die Regel, mindestens drei Kopien auf zwei unterschiedlichen Medien zu haben, eine davon außer Haus oder offline. Ebenso wichtig ist der regelmäßige Test, ob sich die Daten auch tatsächlich zurückspielen lassen. Ein Backup, das nie geprüft wurde, ist nur eine Hoffnung.
Checkliste für Ihr Praxisnetzwerk
- Aktueller Netzwerkplan mit allen Geräten vorhanden
- Netze für Praxis, TI, Medizingeräte und Gäste getrennt
- Firewall-Regeln dokumentiert und überprüft
- Ablaufdaten aller TI-Zertifikate und Karten im Kalender
- Kartenterminals stabil per Kabel angebunden
- Backups täglich, verschlüsselt, mit Kopie außer Haus, Wiederherstellung getestet
- Umsetzung der IT-Sicherheitsrichtlinie dokumentiert
- Notfallplan: Was tun, wenn Internet, Server oder TI ausfallen?
Wir helfen Ihnen gerne
Sie möchten Ihr Praxisnetzwerk sicherer und stabiler machen, ohne den Praxisbetrieb zu stören? Das IT-Team der Mittelstandsoptimierer analysiert Ihre bestehende Infrastruktur, trennt die Netze sauber, richtet Firewall, WLAN und Datensicherung ein und arbeitet dabei eng mit Ihrem TI-Dienstleister und dem Hersteller Ihres Praxisverwaltungssystems zusammen. Gerne auch außerhalb der Sprechzeiten. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.
Herzliche Grüße aus Mainz




