„Können Sie uns mal eben ein VPN machen?“ Diese Bitte haben wir in diesem Jahr so oft gehört wie nie zuvor. Wer ein VPN für die Firma einrichten will, damit Mitarbeiter vom Homeoffice aus sicher auf Server, Dateien und Programme zugreifen können, steht vor einigen Entscheidungen. „Mal eben“ geht es selten, aber mit etwas Planung ist ein Firmen-VPN kein Hexenwerk.
Was ein VPN eigentlich macht
Ein VPN (Virtual Private Network) baut einen verschlüsselten Tunnel zwischen dem Rechner im Homeoffice und dem Firmennetz auf. Für den Mitarbeiter fühlt es sich an, als säße er im Büro: Netzlaufwerke, Warenwirtschaft und Drucker sind erreichbar, und niemand dazwischen kann mitlesen. Die Alternative, also einzelne Dienste direkt ins Internet freizugeben, ist deutlich riskanter. Ein offen erreichbarer Remote-Desktop-Zugang gehört zu den beliebtesten Einfallstoren für Angreifer.
Die gängigen Varianten im Vergleich
| Variante | Geeignet für | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| VPN direkt im Router | sehr kleine Büros, wenige Nutzer | oft schon vorhanden, kostengünstig | begrenzte Leistung und Verwaltung, wenig Protokollierung |
| Firewall mit VPN-Funktion | kleine und mittlere Betriebe | zentrale Benutzerverwaltung, Zwei-Faktor-Anmeldung möglich, gute Protokolle | Anschaffung und Pflege, Know-how nötig |
| VPN auf eigenem Server | technisch versierte Teams | flexibel, z. B. mit OpenVPN oder WireGuard | Wartung liegt komplett bei Ihnen |
| Terminalserver-Gateway | Betriebe mit zentralen Anwendungen | Daten verlassen das Firmennetz nicht | Lizenzkosten, Serverleistung muss passen |
In der Praxis empfehlen wir kleineren Betrieben meist eine ordentliche Firewall mit integriertem VPN. Das ist der beste Kompromiss aus Sicherheit, Komfort und Aufwand.
VPN für die Firma einrichten: Schritt für Schritt
- Bedarf klären: Wie viele Mitarbeiter brauchen gleichzeitig Zugriff? Auf welche Systeme? Reicht der Zugriff auf Dateien oder müssen auch große Anwendungen laufen?
- Internetanschluss prüfen: Der Engpass ist oft der Upload im Büro. Wenn zehn Leute gleichzeitig Dateien vom Server holen, teilen sie sich diesen Upload. Ein asymmetrischer Anschluss mit wenig Upload bremst alle aus.
- Technik auswählen: Router, Firewall oder Server, siehe Tabelle oben. Achten Sie auf aktuelle Protokolle wie IPsec mit IKEv2, OpenVPN oder WireGuard. Veraltete Verfahren wie PPTP sollten Sie nicht mehr verwenden.
- Benutzer anlegen: Jeder Mitarbeiter bekommt einen eigenen Zugang. Geteilte Zugänge sind bequem, aber im Ernstfall nicht nachvollziehbar.
- Zwei-Faktor-Anmeldung aktivieren: Ein Passwort allein reicht für den Zugang ins Firmennetz nicht. Ein zweiter Faktor per App oder Token macht gestohlene Passwörter weitgehend wertlos.
- Zugriffe einschränken: Nicht jeder braucht Zugriff auf alles. Legen Sie fest, welche Benutzergruppen welche Systeme erreichen.
- Clients einrichten: Die VPN-Software auf den Endgeräten sollte zentral ausgerollt und vorkonfiguriert werden. So vermeiden Sie Supportanrufe an der Küchentischfront.
- Testen und dokumentieren: Testen Sie aus einem fremden Netz, etwa per Smartphone-Hotspot. Dokumentieren Sie die Konfiguration, damit auch im Urlaub des Admins jemand weiß, wie es funktioniert.
Die häufigsten Fehler
- Private Geräte ohne Schutz: Ein VPN verbindet das Gerät mit Ihrem Netz. Ist der private Rechner mit Schadsoftware verseucht, holen Sie sich das Problem direkt ins Haus. Firmengeräte oder klare Mindestanforderungen sind Pflicht.
- Keine Updates: VPN-Geräte und Firewalls sind selbst ein Angriffsziel. Sicherheitslücken in VPN-Produkten verschiedener Hersteller wurden in den letzten Monaten aktiv ausgenutzt. Updates gehören in den festen Wartungsplan.
- Alles über den Tunnel: Ob der gesamte Internetverkehr des Mitarbeiters durch das Firmen-VPN läuft oder nur der Verkehr zum Firmennetz (Split Tunneling), ist eine bewusste Entscheidung. Beides hat Vor- und Nachteile, aber es sollte nicht der Zufall entscheiden.
- Vergessene Zugänge: Wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt, muss sein VPN-Zugang am selben Tag deaktiviert werden.
Was kostet ein Firmen-VPN?
Die Kosten hängen stark von der gewählten Variante ab. Bei der Router-Lösung entstehen oft kaum zusätzliche Ausgaben, dafür ist die Leistung begrenzt. Eine Firewall mit VPN-Funktion bedeutet eine Anschaffung, häufig dazu Lizenzen für Updates und Sicherheitsfunktionen, die jährlich verlängert werden müssen. Hinzu kommen Einrichtung und Betreuung. Rechnen Sie die Kosten aber immer gegen das Risiko: Ein unsicherer Fernzugriff, über den Angreifer ins Netz gelangen, kostet ein Vielfaches. Und vergessen Sie nicht die Zeit, die Mitarbeiter verlieren, wenn die Verbindung ständig abbricht oder quälend langsam ist.
Ein Erfahrungswert aus dem Frühjahr
Viele Betriebe haben im März schnell eine Notlösung gebaut: hier eine Portfreigabe, dort ein Fernwartungsprogramm mit Standardpasswort. Das war in der Situation verständlich. Jetzt, wo das Homeoffice für viele zum Dauerzustand wird, sollten diese Provisorien geordnet abgelöst werden. Bei einem Kunden haben wir bei der Gelegenheit gleich drei verschiedene Fernzugänge gefunden, von denen niemand mehr wusste, wer sie eingerichtet hatte. Aufräumen lohnt sich.
Und was ist mit Cloud-Diensten?
Viele Unternehmen fragen, ob sie überhaupt noch ein VPN brauchen, wenn E-Mail und Dateien in der Cloud liegen. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Wer keine eigenen Server mehr betreibt, braucht oft kein klassisches VPN, muss aber den Zugang zu den Cloud-Diensten genauso gut absichern, vor allem mit Zwei-Faktor-Anmeldung. Für die meisten Mittelständler mit Warenwirtschaft, Fileserver oder Branchensoftware im eigenen Haus bleibt das VPN aber die solide Lösung.
Wir helfen Ihnen gerne
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