ChatGPT: Was die neue KI für die Büroarbeit bedeuten kann


Seit gut zwei Wochen gibt es in unserem Büro kaum ein Mittagessen, bei dem nicht irgendwann jemand sagt: „Habt ihr das schon mit ChatGPT probiert?“ Das Programm des US-Unternehmens OpenAI ist seit dem 30. November als kostenlose Testversion verfügbar und hat in kürzester Zeit enorm viele Nutzer gewonnen, nach Angaben des Unternehmens über eine Million in der ersten Woche. Auch viele unserer Kunden fragen: Was bedeutet ChatGPT für Unternehmen? Wir haben die KI in den letzten Tagen intensiv ausprobiert und teilen unsere ersten Eindrücke, mit Begeisterung, aber auch mit der nötigen Skepsis.

Was ist ChatGPT überhaupt?

ChatGPT ist ein sogenanntes Sprachmodell, mit dem man sich in einem Chatfenster unterhalten kann. Man stellt eine Frage oder gibt eine Aufgabe, und das Programm antwortet in erstaunlich flüssigem Text, auch auf Deutsch. Es kann Texte schreiben, umformulieren, zusammenfassen, übersetzen, Ideen sammeln und sogar Programmcode erzeugen.

Wichtig zu verstehen: ChatGPT „weiß“ nichts im eigentlichen Sinn. Es wurde mit riesigen Mengen Text trainiert und berechnet, welche Wörter mit hoher Wahrscheinlichkeit als Nächstes passen. Das Ergebnis klingt oft überzeugend, ist aber nicht automatisch richtig. Außerdem hat das Modell keinen Zugriff auf das Internet, und sein Wissen endet nach Angaben von OpenAI im Jahr 2021.

ChatGPT im Unternehmen: Wo es im Büro helfen kann

Wir haben typische Büroaufgaben getestet. Hier unser ehrliches Zwischenfazit:

Aufgabe Unser Eindruck
Entwürfe für E-Mails und Anschreiben Sehr hilfreich als Startpunkt. Der Ton lässt sich anpassen („freundlicher“, „kürzer“, „förmlicher“). Nachbearbeiten ist aber Pflicht.
Texte umformulieren und kürzen Überraschend gut, etwa um einen umständlichen Absatz verständlicher zu machen.
Ideen sammeln Gut für Brainstorming: Überschriften, Themen für Social Media, Fragen für ein Kundeninterview.
Excel-Formeln und kleine Skripte Oft hilfreich, manchmal fehlerhaft. Ergebnis immer testen.
Zusammenfassen von Texten Funktioniert ordentlich, wenn man den Text einfügt. Vorsicht bei vertraulichen Inhalten (siehe unten).
Fachliche Auskünfte, Recht, Steuern Nicht verlässlich. Klingt kompetent, enthält aber immer wieder Fehler.
Fakten, Zahlen, Quellen Nicht verlässlich. Das Programm erfindet mitunter Zahlen oder Quellen, die es gar nicht gibt.

So bekommen Sie bessere Ergebnisse

Die Qualität der Antwort hängt stark davon ab, wie man fragt. Ein paar Tipps aus unseren Versuchen:

  • Rolle und Zielgruppe nennen: „Schreibe als Kundenservice eines Handwerksbetriebs eine freundliche Antwort an einen verärgerten Kunden“ funktioniert deutlich besser als „Schreib eine Antwort“.
  • Rahmen vorgeben: Länge, Tonfall, Sie- oder Du-Form, gewünschtes Format wie Liste oder Tabelle.
  • Nachbessern lassen: Man kann im selben Chat weiterarbeiten: „Kürzer“, „weniger Floskeln“, „mit drei Stichpunkten am Ende“.
  • Beispiele mitgeben: Ein kurzer Ausschnitt Ihres eigenen Stils hilft dem Programm, den Ton zu treffen.

Die Grenzen: Warum Sie nicht alles glauben sollten

Das größte Problem ist ausgerechnet die größte Stärke: ChatGPT formuliert immer selbstbewusst. Eine falsche Antwort klingt genauso überzeugend wie eine richtige. In unseren Tests hat das Programm zum Beispiel Paragrafen genannt, die so nicht existieren, und Zahlen geliefert, die sich nicht belegen ließen. Für Texte, bei denen Fakten zählen, gilt deshalb: Jede Aussage selbst prüfen.

Weitere Grenzen:

  • Kein aktuelles Wissen. Fragen zu Ereignissen aus diesem Jahr kann es nicht zuverlässig beantworten.
  • Die Testversion ist häufig überlastet und dann nicht erreichbar.
  • Die Texte wirken manchmal austauschbar. Ihre eigene Stimme und Erfahrung ersetzt das Programm nicht.
  • Wie es mit dem kostenlosen Zugang weitergeht, ist offen.

Datenschutz und Vertraulichkeit

Das ist für Unternehmen der wichtigste Punkt. ChatGPT läuft auf Servern in den USA, und OpenAI weist darauf hin, dass Eingaben zur Verbesserung der Systeme verwendet werden können. Deshalb gilt:

  • Keine personenbezogenen Daten von Kunden, Bewerbern oder Mitarbeitenden eingeben
  • Keine Geschäftsgeheimnisse: keine Angebote, Kalkulationen, Verträge, Quellcode oder interne Strategiepapiere
  • Keine Zugangsdaten, selbstverständlich
  • Bei Unsicherheit: Inhalte vorher anonymisieren oder ganz darauf verzichten

Auch die Frage, wem ein von der KI erzeugter Text eigentlich gehört und ob er urheberrechtlich geschützt ist, ist bisher nicht abschließend geklärt.

Unsere Empfehlung: ausprobieren, aber mit Regeln

Verbieten bringt wenig. Ihre Mitarbeitenden probieren ChatGPT wahrscheinlich ohnehin schon aus, privat oder im Büro. Sinnvoller ist eine kurze, klare Regelung:

  1. Wofür darf ChatGPT genutzt werden (z. B. Entwürfe, Ideen, Umformulierungen)?
  2. Welche Daten dürfen nicht eingegeben werden?
  3. Ergebnisse werden immer von einem Menschen geprüft, bevor sie das Haus verlassen.
  4. Wer ist Ansprechpartner bei Fragen?

Eine Seite reicht. Wichtig ist, dass alle sie kennen und dass sie bei Bedarf angepasst wird. In diesem Feld ändert sich gerade vieles sehr schnell.

Was das für die Zukunft heißen kann

Wir sind überzeugt: Werkzeuge wie ChatGPT werden die Büroarbeit verändern. Nicht, indem sie Menschen ersetzen, sondern indem sie Routinearbeit beim Schreiben, Formulieren und Recherchieren beschleunigen. Wer früh lernt, gute Anweisungen zu geben und Ergebnisse kritisch zu prüfen, hat einen Vorteil. Wie schnell das geht und welche Angebote sich durchsetzen, kann heute niemand seriös vorhersagen. Wir bleiben jedenfalls neugierig dran.

Wir helfen Ihnen gerne

Sie möchten wissen, wie Ihr Team KI-Werkzeuge sinnvoll und sicher nutzen kann? Die Mittelstandsoptimierer zeigen Ihnen in einem kurzen Workshop, was heute möglich ist, und helfen bei einer praxistauglichen Nutzungsregel, die auch den Datenschutz berücksichtigt. Mehr unter www.mittelstandsoptimierer.de oder telefonisch unter 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

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