Nach Cambridge Analytica: Was Betreiber von Facebook-Seiten jetzt prüfen sollten


Seit Mitte März vergeht kaum ein Tag ohne neue Schlagzeilen: Über eine harmlos wirkende Umfrage-App sollen Daten von Millionen Facebook-Nutzern bei der Analysefirma Cambridge Analytica gelandet sein, ohne dass die meisten Betroffenen davon wussten. Unter dem Stichwort #deletefacebook kündigen manche Nutzer ihr Konto. Viele Unternehmen fragen sich nun: Was heißt das eigentlich für unsere eigene Seite? Wir haben die wichtigsten Punkte rund um Facebook-Fanpage und Datenschutz zusammengestellt, die Sie jetzt prüfen sollten.

Was ist passiert, und betrifft es Sie direkt?

Nach den bisherigen Berichten hat ein Entwickler vor einigen Jahren über eine App nicht nur Daten der Nutzer gesammelt, die die App verwendet haben, sondern auch Daten ihrer Freunde. Das ließ die Schnittstelle von Facebook damals zu. Die Daten wurden dann weitergegeben. Facebook steht deshalb in den USA und in Europa massiv unter Druck, und die Aufarbeitung läuft noch.

Als Betreiber einer Unternehmensseite haben Sie mit diesem Vorfall in aller Regel nichts zu tun. Trotzdem ist er ein guter Anlass, die eigene Präsenz kritisch anzusehen. Denn die Frage, wer für die Daten der Seitenbesucher verantwortlich ist, beschäftigt Datenschützer und Gerichte schon länger.

Die offene Frage der Mitverantwortung

Seit Jahren läuft ein Verfahren um die Facebook-Seite einer Bildungseinrichtung aus Schleswig-Holstein. Die dortige Datenschutzaufsicht hatte verlangt, die Seite abzuschalten, weil Facebook Daten der Besucher verarbeitet, ohne ausreichend zu informieren. Inzwischen liegt die Sache beim Europäischen Gerichtshof. Der Generalanwalt hat im Oktober 2017 in seinen Schlussanträgen die Auffassung vertreten, dass Fanpage-Betreiber gemeinsam mit Facebook für die Datenverarbeitung verantwortlich sind. Ein Urteil steht noch aus, häufig folgt der Gerichtshof aber der Linie des Generalanwalts.

Sollte es so kommen, hätten Seitenbetreiber eigene Pflichten, etwa zur Information der Besucher. Zusammen mit dem Start der DSGVO am 25. Mai ist das ein Thema, das Sie nicht auf die lange Bank schieben sollten.

Prüfliste für Ihre Facebook-Seite

1. Wer hat Zugriff?

Gehen Sie in den Einstellungen die Seitenrollen durch. Ehemalige Mitarbeiter, Praktikanten oder die Agentur von vor drei Jahren haben dort nichts mehr verloren. Jede Person mit Administratorrechten kann die Seite übernehmen oder löschen.

2. Sind die Konten der Administratoren gesichert?

Alle Personen mit Seitenrolle sollten ihr persönliches Facebook-Konto mit einem starken Passwort und der Zwei-Faktor-Authentifizierung schützen. Ein gekapertes Konto ist der schnellste Weg zu einer gekaperten Unternehmensseite.

3. Welche Apps sind verbunden?

Gewinnspiel-Tools, Terminbuchungen, Shop-Erweiterungen: Prüfen Sie, welche Apps Zugriff auf Ihre Seite oder Ihr Konto haben, und entfernen Sie alles, was Sie nicht mehr nutzen. Genau über solche Apps lief auch der aktuelle Fall.

4. Was steht in Ihrer Datenschutzerklärung?

Erwähnen Sie Ihre Facebook-Seite in der Datenschutzerklärung Ihrer Website und verlinken Sie sie zusätzlich auf der Fanpage selbst, etwa im Info-Bereich. Erklären Sie dort, dass Facebook beim Besuch der Seite Daten verarbeitet, dass Sie anonymisierte Statistiken (Insights) erhalten, und wie Besucher Kontakt zu Ihnen aufnehmen können.

5. Nutzen Sie Facebook-Werkzeuge auf Ihrer Website?

Besonders kritisch sind der Facebook-Pixel zur Erfolgsmessung von Werbeanzeigen, „Gefällt mir“-Schaltflächen, die beim Seitenaufruf sofort Daten übertragen, und der Facebook-Login. Diese Werkzeuge übermitteln Daten Ihrer Website-Besucher an Facebook. Prüfen Sie, ob Sie sie wirklich brauchen, und wenn ja, wie Besucher informiert werden und widersprechen oder einwilligen können.

6. Wie gehen Sie mit Nachrichten um?

Kunden schicken über den Messenger oft Anfragen mit Telefonnummern, Bestellnummern oder sogar Gesundheitsangaben. Legen Sie fest, wer diese Nachrichten bearbeitet, und bitten Sie bei sensiblen Themen um einen Wechsel auf E-Mail oder Telefon.

7. Hochgeladene Kundenlisten

Wer für Werbeanzeigen E-Mail-Adressen oder Telefonnummern von Kunden hochlädt, um sie gezielt anzusprechen, braucht dafür eine tragfähige Rechtsgrundlage. In vielen Fällen dürfte das eine Einwilligung sein. Ohne sie lassen Sie es besser.

Was Sie Kunden sagen können, die nachfragen

Einige Kunden werden Sie in den nächsten Wochen vielleicht fragen, was Sie eigentlich über sie wissen, wenn sie Ihre Seite liken oder Ihnen schreiben. Eine ehrliche, kurze Antwort hilft hier mehr als jeder Textbaustein. Zum Beispiel: Als Seitenbetreiber sehen wir die öffentlichen Profilangaben von Personen, die mit unserer Seite interagieren, sowie zusammengefasste Statistiken, etwa wie viele Menschen einen Beitrag gesehen haben. Auf weitere Daten, die Facebook über seine Nutzer speichert, haben wir keinen Zugriff. Wer das nicht möchte, kann uns jederzeit per E-Mail oder Telefon erreichen.

Halten Sie diese Antwort intern fest, damit alle Kolleginnen und Kollegen, die die Seite betreuen, dasselbe sagen. Gerade in einer aufgeheizten Debatte wirkt ein Unternehmen, das gelassen und offen antwortet, vertrauenswürdiger als eines, das schweigt.

Abschalten oder weitermachen?

Argument Abschalten Weitermachen
Rechtssicherheit Maximal Abhängig vom kommenden Urteil
Reichweite bei Kunden Geht verloren Bleibt erhalten
Aufwand Gering Laufende Pflege und Prüfung
Ansehen Kann als Haltung verstanden werden Zeigt Ansprechbarkeit

Unsere ehrliche Einschätzung: Für die meisten Betriebe in der Region ist die Facebook-Seite ein wichtiger Kontaktkanal. Wer sie bewusst nutzt, die oben genannten Punkte erledigt und die Entwicklung beim Europäischen Gerichtshof im Blick behält, muss sie nicht überstürzt abschalten. Wichtig ist, dass die Website die zentrale Anlaufstelle bleibt, denn dort haben Sie die Daten und die Gestaltung selbst in der Hand.

Wir helfen Ihnen gerne

Sie möchten Ihre Social-Media-Präsenz datenschutzfreundlich aufstellen? Die Mittelstandsoptimierer prüfen Seitenrollen, Website-Einbindungen und Datenschutztexte gemeinsam mit Ihnen. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

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