Wenn wir in ein neues Büro kommen, öffnen wir als Erstes gern den Netzwerkschrank. Er verrät viel über die IT eines Unternehmens. Manchmal herrscht dort vorbildliche Ordnung, oft aber ein Kabelsalat, in dem niemand mehr weiß, welches Kabel wohin führt. Der Grund ist fast immer derselbe: Der Schrank wurde zu klein gekauft und ohne Plan befüllt. Wer seinen Netzwerkschrank richtig plant, spart sich später viel Ärger. So gehen Sie vor.
Wandverteiler oder Standschrank?
Die erste Entscheidung betrifft die Bauform:
- Wandverteiler werden an die Wand geschraubt und eignen sich für kleine Büros mit Patchfeld, Switch und Router. Sie sind kompakt, aber in Tiefe und Tragkraft begrenzt. Für Server sind sie meist ungeeignet.
- Standschränke stehen auf dem Boden, bieten mehr Tiefe und Tragkraft und nehmen auch Server und USV auf. Sie brauchen aber Platz, und zwar auch vor und hinter dem Schrank.
Die richtige Größe: Höhe, Breite, Tiefe
Netzwerkschränke sind für Geräte im 19-Zoll-Format gebaut. Die Höhe wird in Höheneinheiten (HE) angegeben, eine HE entspricht 44,45 mm. Ein typischer Switch braucht eine HE, ein Patchfeld ebenfalls, ein Server je nach Modell eine bis vier.
Höhe
Zählen Sie alle Geräte zusammen, die heute hinein sollen, rechnen Sie Kabelführungen dazu und schlagen Sie dann großzügig auf. Unsere Faustregel: mindestens ein Drittel Reserve, besser die Hälfte. Ein Schrank, der am ersten Tag voll ist, wird nie wieder ordentlich.
Breite
Üblich sind 600 und 800 mm. Die breitere Variante bietet seitlich Platz für Kabelführungen. Wenn viele Kabel ankommen, ist das jeden Zentimeter wert.
Tiefe
Für reine Netzwerktechnik reichen oft 600 mm. Sobald Server ins Spiel kommen, sind 800 bis 1000 mm nötig, denn Server sind lang und brauchen hinten Platz für Kabel und Luft. Prüfen Sie die Einbautiefe Ihrer Geräte, bevor Sie bestellen.
| Einsatz | Bauform | Orientierung Höhe | Orientierung Tiefe |
|---|---|---|---|
| Kleines Büro, nur Netzwerk | Wandverteiler | 9 bis 15 HE | 400 bis 600 mm |
| Büro mit kleinem Server | Standschrank, klein | 18 bis 26 HE | 800 mm |
| Mehrere Server, USV, viele Ports | Standschrank | 36 bis 42 HE | 1000 mm |
Die Werte sind Orientierung, keine Norm. Entscheidend ist Ihre konkrete Geräteliste.
Belüftung: Wärme muss raus
Switches, Server und USV erzeugen Wärme, und in einem geschlossenen Schrank staut sie sich. Planen Sie die Belüftung von Anfang an mit:
- Die meisten Geräte saugen vorn an und blasen hinten aus. Der Schrank sollte diesen Luftstrom unterstützen, etwa mit perforierten Türen.
- Lüftereinheiten im Dach helfen, warme Luft abzuführen. Mit Thermostat laufen sie nur bei Bedarf und bleiben leiser.
- Leere Höheneinheiten mit Blindplatten schließen, damit warme Luft nicht nach vorn zurückströmt.
- Den Raum nicht vergessen: Ein Schrank in einer Kammer ohne Luftaustausch wird im Sommer zum Problem, egal wie gut er belüftet ist.
- Ein Temperaturfühler mit Alarm per E-Mail kostet wenig und warnt rechtzeitig.
Kabelmanagement: Ordnung von Anfang an
Ein sauberer Schrank ist kein Selbstzweck. Er spart bei jeder Störung Zeit und verhindert, dass beim Umstecken versehentlich der falsche Anschluss gezogen wird.
- Patchfeld und Switch abwechselnd anordnen: Patchfeld, Switch, Patchfeld, Switch. So bleiben die Patchkabel kurz.
- Kabelführungspanels zwischen den Geräten nehmen überschüssige Längen auf.
- Kurze Patchkabel in passender Länge statt aufgerollter Zwei-Meter-Kabel.
- Farben mit System: etwa eine Farbe für Arbeitsplätze, eine für Telefone, eine für Server.
- Alles beschriften: Dosen, Patchfeld-Ports und Kabelenden. Eine Tabelle, welche Dose an welchem Port hängt, gehört in den Schrank und in die Dokumentation.
- Strom getrennt führen: Stromkabel möglichst auf der anderen Seite als Datenkabel verlegen.
Typische Planungsfehler
Aus vielen Umzügen und Erweiterungen kennen wir die Klassiker:
- Der Router des Anbieters passt nicht hinein. Viele Geräte der Provider sind nicht für den Einbau gedacht. Ein Fachboden schafft Abhilfe, muss aber eingeplant werden.
- Die USV ist zu schwer für den Wandverteiler. USV-Geräte mit Akkus wiegen schnell mehr, als eine Wandbefestigung trägt. Sie gehören in einen Standschrank, ganz nach unten.
- Die Tür lässt sich nicht öffnen. Klingt komisch, passiert aber: Schrank in die Nische gestellt, Tür schlägt gegen die Wand.
- Keine Steckdose in der Nähe. Ein Schrank mit Server und USV braucht einen eigenen, ausreichend abgesicherten Stromkreis. Das muss der Elektriker vor dem Einzug wissen.
- Telefon- und Datenleitungen kommen ganz woanders an. Klären Sie früh, wo der Hausanschluss liegt und wie die Leitung zum Schrank kommt.
Was sonst noch dazugehört
- Steckdosenleiste für den Schrank in 19-Zoll-Bauform, idealerweise hinter einer USV.
- Fachböden für Geräte, die nicht für den Einbau gedacht sind, etwa den Router des Anbieters.
- Abschließbare Türen, denn nicht jeder im Büro sollte an die Technik kommen.
- Erdung und Potentialausgleich vom Fachbetrieb anschließen lassen.
- Zugang von vorn und hinten einplanen. Ein Standschrank mit der Rückwand direkt an der Wand ist im Störungsfall eine Qual.
Checkliste vor der Bestellung
- Geräteliste mit Höheneinheiten und Einbautiefe erstellt
- Reserve von mindestens einem Drittel eingeplant
- Standort mit ausreichender Belüftung und Zugang festgelegt
- Tragkraft und Bodenbelastung geprüft
- Lüftung, Temperaturüberwachung und USV eingeplant
- Kabelführung, Patchkabel und Beschriftung geplant
- Stromanschluss und Erdung mit dem Elektriker abgestimmt
Wir helfen Ihnen gerne
Sie ziehen um, erweitern Ihr Büro oder wollen endlich Ordnung im Netzwerkschrank? Das IT-Team der Mittelstandsoptimierer plant Schrank, Verkabelung und Belüftung und übernimmt auf Wunsch die komplette Umsetzung. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.
Herzliche Grüße aus Mainz




