Serverraum im Altbau: Strom, Kühlung und Lärm im Griff


Mainz ist schön, und viele Mainzer Firmen sitzen in schönen Häusern: Gründerzeit in der Neustadt, Fachwerk in der Altstadt, umgebaute Gewerbehöfe. Wer dort einen Serverraum einrichten möchte, merkt schnell, dass die Wirklichkeit nicht wie im Rechenzentrumsprospekt aussieht. Alte Elektrik, keine Lüftungsschächte, Denkmalschutz an der Fassade und Kolleginnen, die direkt nebenan telefonieren. Wir haben in den letzten Jahren einige solcher Räume umgebaut und teilen hier, was sich bewährt hat.

Erst planen, dann bohren

Bevor Sie den Abstellraum hinter der Küche zum Serverraum erklären, klären Sie ein paar Grundfragen:

  • Wie viel Technik soll dort stehen, heute und in drei Jahren?
  • Wie viel Wärme erzeugt sie (Faustregel: Fast die gesamte aufgenommene elektrische Leistung wird zu Wärme)?
  • Gibt es eine Außenwand oder ein Fenster für ein Klimagerät?
  • Ist der Raum abschließbar und nicht Durchgangsraum?
  • Gibt es Wasserleitungen oder Abflussrohre an der Decke?
  • Was sagen Vermieter und gegebenenfalls Denkmalschutz zu Durchbrüchen?

Gerade der letzte Punkt wird gern vergessen und kann ein ganzes Projekt um Wochen verzögern.

Strom: Die unterschätzte Baustelle beim Serverraum einrichten

In Altbauten treffen wir regelmäßig auf Stromkreise, an denen gleichzeitig Kaffeemaschine, Drucker und Server hängen. Fliegt die Sicherung, steht das Netzwerk. Unsere Empfehlungen:

  1. Eigener Stromkreis: Lassen Sie von einer Elektrofachkraft einen separaten, ausreichend abgesicherten Stromkreis für den Serverraum legen.
  2. Zustand prüfen lassen: Alte Leitungen, fehlende Fehlerstromschutzschalter oder ein überlasteter Verteiler sind ein Brandrisiko. Lassen Sie die Anlage vor dem Umbau prüfen.
  3. USV einplanen: Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung überbrückt kurze Ausfälle und fährt Server bei längeren Ausfällen sauber herunter. Die Akkus haben eine begrenzte Lebensdauer, planen Sie den Tausch ein.
  4. Steckdosenleisten fürs Rack: Keine Baumarkt-Mehrfachstecker, sondern Steckdosenleisten, die für den Einbau im Serverschrank gedacht sind.

Kühlung: Wohin mit der Wärme?

Ein kleiner Server, ein Switch, eine Firewall und ein NAS: Das klingt harmlos, kann aber in einer engen Kammer im Sommer schnell für Temperaturen sorgen, bei denen die Geräte drosseln oder abschalten. Im Altbau gibt es dafür typischerweise drei Wege:

Lösung Vorteile Nachteile
Lüftung mit Ventilator nach außen oder in den Flur günstig, einfach reicht nur bei wenig Abwärme, im Sommer oft zu schwach
Split-Klimagerät leistungsstark, leise im Raum Außengerät nötig, Genehmigung bei Vermieter oder Denkmalschutz
Serverschrank mit integrierter Kühlung kein Eingriff in die Fassade nötig, gezielte Kühlung höhere Anschaffungskosten, Abwärme muss trotzdem aus dem Raum

Mobile Klimageräte mit Abluftschlauch durchs gekippte Fenster sehen wir häufig. Für den Notfall in einer Hitzewoche okay, als Dauerlösung eher nicht: Sie sind laut, ineffizient und das offene Fenster ist ein Sicherheitsproblem.

Ganz wichtig: Messen statt schätzen. Ein Temperaturfühler mit Alarm per Mail kostet wenig und meldet sich, bevor der Server es tut.

Lärm: Wenn der Server zum Kollegen wird

In vielen Altbauwohnungen, die zu Büros umgebaut wurden, sind die Wände zwar dick, aber die Türen dünn. Server und Klimageräte brummen den ganzen Tag. Ein paar Tipps aus unserer Erfahrung:

  • Einen schallgedämmten Serverschrank nutzen, die Dämmung muss aber zur Abwärme passen.
  • Eine dichte, schwere Tür einbauen, idealerweise mit Dichtung.
  • Geräte mit regelbaren Lüftern wählen und die BIOS-Einstellungen prüfen.
  • Den Raum nicht direkt neben Besprechungsräumen oder Arbeitsplätzen einplanen, wenn es eine Wahl gibt.

Wie viel ein gedämmter Schrank tatsächlich bringt, haben wir übrigens schon 2013 hier im Blog untersucht. Wichtig ist vor allem: Dämmung und Kühlung müssen zusammen geplant werden, sonst wird es im Schrank schnell zu warm.

Netzwerk und Verkabelung im Altbau

Altbauten haben selten Kabelkanäle an den richtigen Stellen. Oft liegen die Netzwerkdosen dort, wo vor zwanzig Jahren die Schreibtische standen, und die Kabel laufen kreuz und quer durch Türrahmen. Wenn Sie ohnehin einen Serverraum einrichten, ist das der richtige Zeitpunkt, auch die Verkabelung neu zu denken:

  • Sternförmig planen: Alle Netzwerkleitungen laufen auf einem Patchfeld im Serverschrank zusammen. Das macht Fehlersuche und spätere Änderungen deutlich einfacher.
  • Reserve einplanen: Legen Sie lieber ein paar Leitungen mehr. Nachträglich durch dicke Altbauwände zu bohren, ist teuer und staubig.
  • WLAN ergänzen, nicht ersetzen: Dicke Mauern schlucken Funk. Mehrere Access Points, per Kabel angebunden, sind im Altbau meist besser als ein einzelner starker Router.
  • Dokumentieren: Ein einfacher Plan, welche Dose auf welchen Port geht, spart später Stunden.

Sicherheit und Ordnung

Der beste Serverraum nützt wenig, wenn er nebenbei als Putzmittellager dient. Denken Sie an:

  • Abschließbare Tür, Schlüssel nur für wenige Personen
  • Rauchmelder, idealerweise mit Alarmierung
  • Keine brennbaren Materialien, keine Kartons im Raum
  • Saubere Kabelführung und Beschriftung, damit im Störfall nicht gerätselt wird
  • Ein ordentliches Backup, das nicht im selben Raum liegt

Checkliste: Serverraum im Altbau

  • Bedarf und Abwärme geschätzt
  • Vermieter und gegebenenfalls Denkmalschutz gefragt
  • Eigener Stromkreis und Prüfung der Elektrik
  • USV dimensioniert
  • Kühlkonzept gewählt und Temperaturüberwachung eingerichtet
  • Lärmschutz bedacht
  • Zutritt geregelt, Brandschutz geprüft
  • Backup außerhalb des Raums

Wir helfen Ihnen gerne

Sie möchten in Ihren Räumen einen Serverraum einrichten oder einen bestehenden fit machen? Das IT-Team der Mittelstandsoptimierer kommt vorbei, schaut sich die Gegebenheiten an und plant mit Ihnen eine Lösung, die zu Gebäude und Budget passt. Telefon: 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

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