Kaum ein Elektrothema hat in den letzten Monaten so viele Fragen ausgelöst wie das Balkonkraftwerk. Und kaum eine Zahl wird dabei so oft genannt wie diese: 800 Watt. Wer jetzt im Baumarkt oder online steht, findet Sets mit 800-Watt-Wechselrichtern, mit Drosselung auf 600 Watt, mit Schukostecker, mit Wielandstecker. Was gilt denn nun? Hier ist unser Überblick zum Balkonkraftwerk mit 800 Watt: was heute gilt, was die Bundesregierung ändern will und worauf Sie beim Kauf achten sollten. Stand Anfang April 2024.
Was ist ein Balkonkraftwerk überhaupt?
Ein Balkonkraftwerk, offiziell Steckersolargerät, besteht aus einem oder zwei Solarmodulen und einem kleinen Wechselrichter. Der erzeugte Strom fließt über eine Steckdose ins Hausnetz und wird direkt von Kühlschrank, Router, Waschmaschine oder Fernseher verbraucht. Das senkt den Strombezug. Reich wird man damit nicht, aber über die Jahre rechnet sich ein gutes Gerät in vielen Haushalten, und auch in kleinen Büros oder Läden kann es sinnvoll sein.
Die aktuelle Rechtslage
Derzeit gelten im Wesentlichen diese Regeln:
- 600 Watt Einspeiseleistung: Nach den aktuellen technischen Regeln in Deutschland dürfen Steckersolargeräte mit vereinfachtem Verfahren bis 600 Watt Wechselrichterleistung einspeisen. Viele Wechselrichter mit 800 Watt werden deshalb auf 600 Watt gedrosselt verkauft.
- Anmeldung: Das Gerät muss im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen und beim Netzbetreiber angemeldet werden.
- Zähler: Ein alter Ferraris-Zähler ohne Rücklaufsperre ist eigentlich nicht zulässig. In der Praxis wird er nach der Anmeldung vom Netzbetreiber getauscht.
- Stecker: Die Normen sehen eine spezielle Energiesteckvorrichtung vor, häufig ein sogenannter Wielandstecker. Ob ein normaler Schukostecker zulässig ist, ist seit Jahren umstritten.
- Umsatzsteuer: Seit Anfang 2023 gilt für Lieferung und Installation von Photovoltaikanlagen an Privatpersonen unter bestimmten Bedingungen ein Umsatzsteuersatz von 0 Prozent, das betrifft auch Balkonkraftwerke.
Balkonkraftwerk mit 800 Watt: Was sich ändern soll
Die Bundesregierung will Balkonkraftwerke deutlich einfacher machen. Die meisten Änderungen sind Teil des sogenannten Solarpakets I, das seit Monaten im Bundestag beraten wird. Eine Abstimmung steht noch aus. Vorgesehen bzw. in der Diskussion sind nach aktuellem Stand vor allem:
| Thema | Heute | Geplant |
|---|---|---|
| Wechselrichterleistung | 600 Watt | 800 Watt, wie in vielen anderen EU-Ländern üblich |
| Anmeldung | Netzbetreiber und Marktstammdatenregister | Nur noch vereinfacht im Marktstammdatenregister |
| Alter Zähler | Muss vor Inbetriebnahme getauscht werden | Darf übergangsweise weiterlaufen, bis der Messstellenbetreiber tauscht |
Unabhängig davon arbeitet die Bundesregierung daran, Balkonkraftwerke im Mietrecht und im Wohnungseigentumsrecht zu erleichtern, sodass Vermieter und Eigentümergemeinschaften die Installation nicht mehr ohne Weiteres verweigern können. Auch dieses Vorhaben ist noch nicht abgeschlossen. Und für die Steckerfrage wird an einer eigenen Produktnorm für Steckersolargeräte gearbeitet, die mehr Klarheit bringen soll.
Wichtig: Solange die neuen Regeln nicht beschlossen und in Kraft sind, gilt das alte Recht. Ein 800-Watt-Wechselrichter darf also heute mit vereinfachter Anmeldung nur gedrosselt betrieben werden.
Unsere Tipps für den Kauf
- Wechselrichter mit 800 Watt, aktuell gedrosselt: So sind Sie für die neue Regel vorbereitet und können die Leistung später freischalten, wenn es erlaubt ist.
- Auf Zertifikate achten: Der Wechselrichter sollte die in Deutschland geforderten Nachweise für den Netzanschluss haben, insbesondere eine Konformität nach den deutschen Anschlussregeln mit integriertem Netz- und Anlagenschutz.
- Module sicher befestigen: Ein Modul wiegt rund 20 Kilogramm und bietet viel Windangriffsfläche. Die Befestigung am Balkongeländer muss sturmfest sein. Fragen Sie im Zweifel einen Fachbetrieb.
- Ausrichtung prüfen: Süden ist ideal, Ost oder West funktioniert auch. Verschattung durch Bäume oder Nachbarbalkone kostet viel Ertrag.
- Vermieter oder Eigentümergemeinschaft fragen: Heute ist eine Zustimmung oft noch nötig, besonders wenn die Fassade betroffen ist.
Und ein Speicher dazu?
Immer häufiger werden Balkonkraftwerke mit kleinen Batteriespeichern angeboten, die den Strom vom Mittag in den Abend verschieben. Das klingt verlockend, verlängert aber die Amortisationszeit oft deutlich. Wer tagsüber nicht zu Hause ist und abends viel Strom braucht, kann davon profitieren. Wer tagsüber ohnehin Grundlast hat, braucht meist keinen. Achten Sie bei Speichern besonders auf Qualität, Brandschutz und einen sicheren Aufstellort, nicht in der Nähe von Fluchtwegen und nicht in der prallen Sonne.
Die Sicherheitsfrage: Ist das Balkonkraftwerk gefährlich?
Ein normgerechtes Gerät an einer intakten Elektroinstallation ist nach überwiegender Fachmeinung kein großes Risiko. Kritisch wird es bei alten Installationen, bei denen Leitungen schon heute an ihrer Belastungsgrenze arbeiten, oder wenn das Balkonkraftwerk an einer Mehrfachsteckdose mit weiteren großen Verbrauchern hängt. Unsere Empfehlung:
- Eigene Steckdose für das Balkonkraftwerk, keine Steckdosenleiste
- Bei Altbauten mit alter Elektrik die Installation vorher prüfen lassen
- Kabel nicht quetschen, nicht durch Fensterrahmen klemmen
- Keine Bastellösungen mit mehreren Wechselrichtern an verschiedenen Steckdosen
Lohnt sich das auch für Betriebe?
Für ein kleines Büro, einen Laden oder eine Werkstatt mit Grundlast tagsüber kann ein Steckersolargerät ein netter Einstieg sein. Bei nennenswertem Verbrauch ist aber meist eine richtige Photovoltaikanlage auf dem Dach die deutlich bessere Wahl. Und denken Sie daran: Im Betrieb gehört auch ein Balkonkraftwerk zu den elektrischen Anlagen, die regelmäßig geprüft werden sollten.
Wir helfen Ihnen gerne
Sie möchten ein Balkonkraftwerk sicher anschließen, Ihre Elektroinstallation prüfen lassen oder doch lieber gleich eine größere PV-Anlage planen? Elektro-Sorglos berät Sie in Mainz und Umgebung zu PV, Speicher und sicherer Elektrik. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.
Herzliche Grüße aus Mainz




