Vor ein paar Jahren lautete die ehrliche Antwort auf die Frage „Lohnt sich Photovoltaik auf unserem Firmendach?“ oft: „Kommt drauf an, eher knapp.“ Im Frühjahr 2022 sieht die Rechnung anders aus. Die Strompreise sind stark gestiegen, und jede selbst erzeugte Kilowattstunde, die Sie nicht einkaufen müssen, ist bares Geld. Photovoltaik im Gewerbe ist damit für viele Betriebe wieder ein ernsthaftes Thema. Wir zeigen, wie Sie die Rechnung für Ihr Dach aufstellen und worauf Sie dieses Jahr besonders achten sollten.
Der entscheidende Hebel: Eigenverbrauch statt Einspeisung
Die Vergütung für eingespeisten Solarstrom ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Für neue Anlagen liegt sie derzeit deutlich unter 10 Cent je Kilowattstunde und sinkt nach dem aktuellen EEG monatlich weiter. Gleichzeitig zahlen Unternehmen für eingekauften Strom ein Vielfaches davon.
Daraus folgt die wichtigste Regel: Eine Gewerbeanlage rechnet sich vor allem über den Eigenverbrauch. Jede Kilowattstunde, die Sie selbst nutzen, ersetzt teuren Netzstrom. Die Einspeisung ist ein willkommener Zusatz, aber nicht das Geschäftsmodell.
Gewerbebetriebe haben dabei einen natürlichen Vorteil gegenüber Privathaushalten: Sie verbrauchen den meisten Strom tagsüber, also genau dann, wenn die Sonne scheint. Büros mit Klimaanlage, Werkstätten mit Maschinen, Kühlräume oder Betriebe mit E-Fahrzeugen können einen großen Teil des Solarstroms direkt nutzen.
Photovoltaik im Gewerbe: eine Beispielrechnung
Die folgende Rechnung ist ausdrücklich ein Beispiel mit Annahmen. Ihre eigenen Werte für Anlagenpreis, Strompreis und Verbrauchsprofil können deutlich abweichen. Sie zeigt aber, wie man rechnet:
| Position | Annahme | Ergebnis |
|---|---|---|
| Anlagengröße | 30 kWp | |
| Jahresertrag | ca. 950 kWh pro kWp (Süddach, Rhein-Main) | ca. 28.500 kWh |
| Eigenverbrauchsanteil | 60 % | ca. 17.100 kWh |
| Ersparnis Netzstrom | Annahme 25 ct/kWh netto | ca. 4.275 Euro pro Jahr |
| Einspeisung | 40 % zu angenommenen 6 ct/kWh | ca. 684 Euro pro Jahr |
| Summe Nutzen | ca. 4.960 Euro pro Jahr | |
| Investition | Annahme 1.300 Euro pro kWp netto | ca. 39.000 Euro |
Ohne Wartung, Versicherung und Finanzierung gerechnet, hätte sich die Anlage in diesem Beispiel nach rund acht Jahren bezahlt gemacht. Bei einer Lebensdauer von 20 Jahren und mehr bleibt danach ein deutlicher Überschuss. Steigen die Strompreise weiter, verkürzt sich die Amortisation. Liegt Ihr Eigenverbrauch niedriger, verlängert sie sich.
Was 2022 anders ist
Die EEG-Umlage soll fallen
Für Eigenverbrauch aus Anlagen über 30 kWp fällt bisher eine anteilige EEG-Umlage an, kleinere Anlagen sind davon weitgehend befreit. Die Bundesregierung plant, die EEG-Umlage zum 1. Juli 2022 abzuschaffen. Kommt das wie angekündigt, wird der Eigenverbrauch auch bei größeren Anlagen attraktiver und die Grenze von 30 kWp verliert an Bedeutung.
Neue Förderregeln sind in Arbeit
Das Bundeskabinett hat Anfang April ein umfangreiches Gesetzespaket zum Ausbau der erneuerbaren Energien auf den Weg gebracht. Es sieht unter anderem bessere Bedingungen für neue Solaranlagen vor. Beschlossen ist es aber noch nicht, und Details können sich im parlamentarischen Verfahren ändern. Wer jetzt plant, sollte die Entwicklung verfolgen und den Zeitpunkt der Inbetriebnahme mit seinem Installateur besprechen.
Lieferzeiten und Preise
Die Nachfrage ist enorm. Module, Wechselrichter und Speicher haben teilweise lange Lieferzeiten, und auch gute Installationsbetriebe sind ausgebucht. Planen Sie Vorlauf ein und holen Sie mehrere Angebote ein.
Landessolargesetz in Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz hat bereits ein Landessolargesetz beschlossen. Es sieht ab 2023 eine Pflicht zu Photovoltaik auf bestimmten neuen gewerblichen Gebäuden und größeren Parkplätzen vor. Für Bestandsgebäude gilt das nicht, für Neubauvorhaben sollten Sie die Regelung aber kennen.
Checkliste vor dem Angebot
- Dach prüfen: Statik, Zustand der Dachhaut (eine Sanierung in zehn Jahren unter einer neuen Anlage wird teuer), Ausrichtung, Verschattung
- Verbrauchsprofil kennen: Jahresverbrauch und, wenn möglich, Lastgang über den Tag. Wer einen Leistungsmesszähler hat, bekommt die Daten oft vom Netzbetreiber
- Eigentum klären: Bei gemieteten Gebäuden braucht es eine Vereinbarung mit dem Vermieter
- Größe sinnvoll wählen: Nicht automatisch das ganze Dach belegen, sondern Eigenverbrauch und Grenzen im EEG berücksichtigen (ab 100 kWp gilt etwa die Pflicht zur Direktvermarktung)
- Netzanschluss anfragen: Beim örtlichen Netzbetreiber, frühzeitig
- Steuerliche Fragen klären: Abschreibung, Umsatzsteuer, Investitionsabzugsbetrag mit dem Steuerberater
- Versicherung und Wartung einplanen
- Zukunft mitdenken: Ladestationen für E-Fahrzeuge oder eine Wärmepumpe erhöhen den Eigenverbrauch
Kaufen, pachten oder das Dach vermieten?
Nicht jeder Betrieb möchte 40.000 Euro oder mehr in eine Solaranlage investieren. Es gibt Alternativen:
- Kauf: Den größten wirtschaftlichen Vorteil haben Sie, wenn Sie selbst investieren. Sie tragen dafür auch das Risiko.
- Pacht oder Miete der Anlage: Ein Anbieter baut die Anlage, Sie zahlen eine monatliche Rate und nutzen den Strom. Weniger Kapitalbindung, aber auch weniger Ersparnis.
- Dachvermietung: Ein Investor nutzt Ihr Dach und zahlt Ihnen Miete. Bequem, aber vom günstigen Solarstrom haben Sie dann meist wenig.
Lesen Sie Pacht- und Mietverträge genau, besonders Laufzeit, Wartung, Haftung und was nach Vertragsende mit der Anlage passiert.
Und der Batteriespeicher?
Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch, kostet aber zusätzlich. In vielen Gewerbebetrieben mit hohem Tagesverbrauch rechnet sich eine Anlage auch ohne Speicher gut. Prüfen Sie den Speicher als zweiten Schritt, wenn Sie Ihr tatsächliches Verbrauchsprofil mit Solaranlage kennen. Viele Systeme lassen sich nachrüsten.
Unser Fazit
Für viele Unternehmen mit eigenem Dach und hohem Tagesverbrauch ist Photovoltaik 2022 eine der sinnvollsten Investitionen, die sie machen können. Sie senkt die Stromkosten dauerhaft und macht Sie ein Stück unabhängiger von Preissprüngen. Rechnen Sie aber mit Ihren eigenen Zahlen, nicht mit Werbeversprechen, und lassen Sie sich die Annahmen in jedem Angebot genau erklären.
Wir helfen Ihnen gerne
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Herzliche Grüße aus Mainz




